DATUM: 01. JUNI 2026 LESEZEIT: 14 MIN

Signal #05: Die Fluchtgeschwindigkeit der Physik Der finale MiCA-Countdown, die Steuer-Asymmetrie der Drs. 21/5752 und die Kapitulation der Geopolitik vor dem SHA-256-Protokoll.

Drei Wochen vor dem 30. Juni 2026 stehen drei Vektoren in scharfer Kollision: Die EU eliminiert die letzten Liquiditätsbrücken zu Non-MiCA-Stablecoins und erzwingt einen Kapitaltransfer in staatlich kontrollierte Trichter (USDC, EURC). In Deutschland liegt mit der Drucksache 21/5752 ein Oppositionsentwurf für eine Einkommensteuer bis 45 % auf Krypto-Gewinne vor, den der Finanzausschuss zur Ablehnung empfiehlt, während sich die Handelsplätze auf die erste Jahresmeldung an das BZSt vorbereiten. Und doch: Während diese Fiat-Statik unter politischen Eingriffen erodiert, liegt die globale Bitcoin-Netzwerk-Hashrate rund 15 Prozent unter ihrem Höchststand – auf einem Niveau, das sich hält. Das ist keine Korrelation. Es ist eine Entkopplung. Forensik-Bericht Juni 2026.

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In zwei Minuten

Das Wichtigste, bevor du weiterliest
Die regulatorische Falle
Am 30. Juni 2026 läuft die MiCA-Frist ab. Handelsplätze im Europäischen Wirtschaftsraum nehmen USDT dann aus dem Angebot; wer dort Guthaben hält, wird in zugelassene Stablecoins umgebucht, also USDC oder EURC. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Umbuchung.
Die fiskalische Asymmetrie
Parallel liegt im Bundestag die Drucksache 21/5752, ein Entwurf der Grünen-Fraktion, der Krypto-Gewinne unabhängig von der Haltedauer mit bis zu 45 Prozent Einkommensteuer belegen würde; der Finanzausschuss hat am 20. Mai empfohlen, ihn abzulehnen. Die Handelsplätze melden dem Bundeszentralamt für Steuern ab 2027 einmal im Jahr, was ihre Kunden gehandelt haben. Der Aufschlag auf P2P-Märkten liegt stabil bei 4,8 Prozent — so viel ist Leuten der Weg an diesem Kanal vorbei wert.
Die Fluchtgeschwindigkeit
Im selben Zeitraum erreicht die Rechenleistung des Netzes einen Höchststand, während die Kerninflation im Euro-Raum mit 2,8 Prozent über dem Ziel der EZB liegt. Das eine wird verhandelt, das andere nicht.
George V. - BitAtlas Lead Architect
Lead Architect GEORGE V.
§ 01
[ MiCA ]

Der Stablecoin-Showdown: USDT verschwindet im EWR zum 30. Juni

Ein Markt liquidiert sich nicht über Nacht. Er liquidiert sich nach Plan. Am 30. Juni 2026 läuft die letzte Übergangsfrist der EU-Verordnung MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation) für Non-MiCA-konforme Stablecoins ab. Was im März symbolisch begann – Binance entfernte USDT-Handelspaare aus dem Europäischen Wirtschaftsraum – wird im Juni zur operativen Vollstreckung. Kraken, Coinbase Europe, Bitpanda, BISON und sämtliche EWR-regulierten CASPs eliminieren in den verbleibenden Wochen die letzten Liquiditätsbrücken zu USDT, DAI und weiteren nicht-zertifizierten Stablecoins.

Die strukturelle Konsequenz ist keine Spekulation – sie ist arithmetisch. Wer im EWR mit Stablecoin-Liquidität operiert, wird auf MiCA-zertifizierte Alternativen umgeleitet: USDC (Circle, in der EU als E-Money-Institution lizenziert), EURC (Euro-denominated Circle-Stablecoin) und kommende EU-regulierte Euro-Stablecoins. Was hier passiert, ist nicht „Regulierung“ im neutralen Sinne – es ist erzwungener Kapitaltransfer in einen Trichter, dessen Architektur die EZB unmittelbar einsehen und steuern kann.

Die Trichter-Mechanik (MiCA-Kapitaltransfer)
$$\text{Stablecoin-Liquidität}_{\text{EWR}} \xrightarrow{\text{30.06.2026}} \{\text{USDC, EURC}\} \subset \text{EU-aufsichtbar}$$

Wer im EWR mit Stablecoins handelt, hat ab dem 30. Juni 2026 nur noch aufsichtbare Trichter. Die Wahl ist nicht zwischen „USDT oder USDC“ – sie ist zwischen „aufsichtbar oder aufsichtbarer“. Die Designlogik ist klar: maximale Sichtbarkeit der Liquiditätsschichten, ergänzt durch DAC8-Reporting auf der Identitätsschicht, kombiniert mit dem späteren Digitalen Euro auf der Zahlungsschicht. Der Stablecoin-Showdown ist nicht das Ziel – er ist die Vorbereitung des Trichters, in den der Digitale Euro mündet.

Quellen: ESMA – MiCAR Implementation | BaFin – MiCAR Aufsicht | Circle USDC / EURC Lizenzstatus | Stand: 01. Juni 2026

Was bedeutet das in der Praxis? Wer am 1. Juli USDT auf einer EWR-CASP-Plattform hält, muss sie bis dahin entweder in einen MiCA-konformen Stablecoin tauschen, in Fiat zurückwandeln, in Bitcoin umtauschen oder die Wallet außerhalb des Perimeters bewegen. Jede dieser Optionen erzeugt einen Datenpunkt im KYC-Reporting. Der Tausch geht in die Jahresmeldung ein. Die Adresse prüft der Anbieter nach der Geldtransferverordnung. Die Identität wird mit der Liquiditätsschicht verbunden.

Die strategische Lesart ist nicht moralisch, sondern vektoriell: Wer die Liquiditätsschicht kontrolliert, kontrolliert das Geld. Wer das Geld kontrolliert, kontrolliert den Markt. Wer den Markt kontrolliert, kontrolliert das Verhalten. Die MiCA-Architektur ist nicht der Endpunkt – sie ist die Vorbereitung der Architektur, in der jede Krypto-Transaktion eine programmierbare Schnittstelle zum Aufsichtsapparat darstellt. Was im Juni endet, ist nicht USDT im EWR. Was endet, ist die Annahme, dass Privatsphäre Default ist. Sie wird zur Ausnahme – verfügbar nur außerhalb des MiCA-Perimeters.

§ 02

Die Disziplinierung des Exits: Drs. 21/5752 und das 17,2-PP-Delta

Wer einen Vermögensgegenstand besteuert, steuert sein Verhalten. Wer ihn asymmetrisch besteuert, steuert die Architektur. Mit der Drucksache 21/5752 schlägt die Bundestagsfraktion der Grünen eine Besteuerung vor, die nicht neutral wäre – sie würde Krypto-Gewinne schlechter stellen als Aktiengewinne. Bitcoin-Veräußerungsgewinne würden unter den persönlichen Einkommensteuersatz gestellt – nach dem Entwurf für Kryptowerte, die ab dem 1. Januar 2026 erworben wurden. Gewinne innerhalb eines Jahres stehen schon heute unter diesem Satz. Der Finanzausschuss hat am 20. Mai 2026 empfohlen, den Entwurf abzulehnen. Wir rechnen mit einer angenommenen Grenzbelastung von 43,6 %. Der Tarif selbst kennt 42 % (Spitzensteuersatz) und 45 % (sogenannte Reichensteuer); der Solidaritätszuschlag von 5,5 % der Steuerschuld hebt beide auf 44,3 beziehungsweise 47,5 %, Kirchensteuer käme obendrauf. Unsere 43,6 % sind damit eine konservative Annahme am unteren Rand. Aktienveräußerungen bleiben demgegenüber unter der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Soli – effektiv 26,4 %.

Was hier konstruiert wird, ist keine Gleichstellung. Es ist eine fiskalische Vorzugsbehandlung für staatlich integrierte Vermögensklassen. Aktien sind in einem regulierten Buchungssystem (Depots bei deutschen Kreditinstituten) erfasst. Bitcoin entzieht sich diesem Erfassungsmodus. Die steuerliche Bestrafung ist nicht moralisch motiviert – sie ist architektonisch: Was sich der Erfassung entzieht, wird teurer.

Das Steuer-Delta (Drs. 21/5752 vs. Aktien-Abgeltungsteuer)
$$\Delta_{\text{Tax}} = 43{,}6\,\%-26{,}4\,\% \approx 17{,}2\,\text{Prozentpunkte}$$

Beide Sätze müssen auf derselben Grundlage stehen: angenommene Grenzbelastung 43,6 % einschließlich Soli gegen Abgeltungsteuer 26,4 % einschließlich Soli ergibt ein Delta von 17,2 Prozentpunkten. Auf einen Bitcoin-Gewinn von 100.000 EUR übersetzt: zusätzliche Steuerbelastung von 17.225 EUR gegenüber dem identischen Gewinn aus Aktien. Diese Asymmetrie ist nicht zufällig – sie ist die quantifizierte Souveränitäts-Tax, die das System für nicht-staatlich integrierte Vermögensklassen erheben würde.

Rechenrahmen belegt: Solidaritätszuschlag 5,5 % der Steuerschuld (§ 4 SolzG), § 20 Abs. 2 EStG – Abgeltungsteuer 25 %, mit Soli effektiv 26,375 %. Drs. 21/5752 ist am 15.09.2026 abgerufen und gelesen (dserver.bundestag.de, 178 KB): ein Entwurf eines Gesetzes zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke bei der Besteuerung von Kryptowerten. Er würde die Jahresfrist des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG für Kryptowerte aufheben und beziffert das Mehraufkommen mit mindestens rund 5 Mrd. Euro. Der Text trägt kein Ausfertigungsdatum und Platzhalter im Anwendungszeitraum — also ein Entwurf, kein geltendes Recht; § 23 EStG führt die Jahresfrist unverändert. Die angenommene Grenzbelastung von 43,6 % ist unsere Annahme, kein Tarifwert – siehe den Absatz über dem Kasten. Nachtrag 07.09.2026: § 23 EStG trägt die einjährige Haltefrist unverändert, die Reform ist nicht in Kraft | Drs. 21/6112, Beschlussempfehlung des Finanzausschusses vom 20.05.2026: Ablehnung, am 01.10.2026 abgerufen | Stand: 01.06.2026

Die Marktreaktion auf diese Asymmetrie ist messbar und folgt mathematischer Logik. P2P-Märkte (PeachBitcoin, RoboSats) verzeichnen seit Mai 2026 einen anhaltenden Liquiditätszustrom im EWR. Die Souveränitäts-Tax – die strukturelle No-KYC-Prämie über dem regulierten CEX-Spotpreis – hat sich auf einem stabilen Niveau von 4,8 % eingependelt. Ob diese Prämie „teuer“ ist, lässt sich nicht pauschal sagen, und der naheliegende Vergleich mit dem Steuer-Delta hinkt: Die 4,8 % liegen auf dem Kaufpreis, die 17,2 Punkte auf dem Gewinn. Beide Größen werden erst vergleichbar, wenn man den Gewinn kennt. Rechnerisch gleichen sie sich bei einem Gewinn von rund 28 % des Einsatzes aus; bei 10 % Gewinn auf 10.000 EUR kostet der Aufschlag 480 EUR und die Steuerdifferenz 172 EUR – dann ist der Aufschlag der teurere Weg. Und die Prämie ersetzt keine Steuer: Wo Bitcoin gekauft wurde, ändert an der Steuerpflicht auf den Veräußerungsgewinn nichts. Was die Prämie kauft, ist Privatsphäre auf der Eingangsseite – nicht eine niedrigere Rechnung am Ende.

Auf der anderen Seite des Spektrums läuft die Markierungsmechanik auf Hochtouren. BaFin-regulierte CASPs schalten ihre automatisierten Screening-Algorithmen für Withdrawals zu Unhosted Wallets bei Beträgen über 1.000 EUR scharf. Die externen Wallet-Adressen bleiben dabei beim Anbieter: Die Geldtransferverordnung verlangt bei Transfers über 1.000 Euro die Prüfung, ob die Adresse dem Kunden gehört, und die Aufbewahrung dieser Angaben. An das BZSt geht nach DAC8 nur die Jahressumme solcher Übertragungen, nicht die Adresse.

Wer diese Architektur durchschaut, versteht die operative Logik: Die Drucksache 21/5752 wäre nicht das Ende der Fluchtmöglichkeiten – sie wäre deren Disziplinierung. Wer mit ausreichendem Vorlauf in nicht-markierte Eingänge (P2P, Mining, Privatverkauf, Sachleistungen) umsteigt und seine Bestände in unhosteten Wallets ohne Verknüpfung hält, bleibt operativ frei. Wer nicht reagiert, würde die 17,2-PP-Souveränitäts-Tax akzeptieren, als Bequemlichkeits-Tribut an den Staat.

§ 03

Die unbestechliche Festung: Was die Hashrate über die Sicherung sagt

Während die regulatorischen und fiskalischen Vektoren ihre Kreise enger ziehen, dokumentiert ein dritter Vektor die physikalische Realität des Protokolls. Im Mai 2026 lag die globale Bitcoin-Netzwerk-Hashrate bei 946 EH/s am 1. und 966 EH/s am 20. Mai – rund 15 Prozent unter dem bisherigen Höchststand von 1.152 EH/s vom 19. Oktober 2025. Ein neues Allzeithoch war das nicht. Was es ist: ein hohes Niveau, das sich hält, obwohl die Schwierigkeit steigt und die Energie teuer bleibt – und das ist die Aussage, auf die es hier ankommt.

Diese Zahl ist nicht „Marktstimmung“. Sie ist thermodynamischer Beweis. Hashrate ist die Aggregation real eingesetzter Joule, real installierter ASIC-Hardware, real bezahlter Stromrechnungen. Ein Anstieg der Hashrate bedeutet: Marktteilnehmer investieren reale Energie und reales Kapital in die Sicherung der Kette. Sie tun das nicht aus Ideologie – sie tun es, weil die Mining-Marge es ökonomisch rechtfertigt. Die Mining-Marge ist eine Funktion des Bitcoin-Preises, der Schwierigkeit, der Strompreise und der Hardware-Effizienz. Wenn diese Marge weltweit positiv bleibt – trotz steigender Schwierigkeit, trotz hoher Energiepreise –, dann reflektiert das eine fundamentale Marktbewertung des Protokolls.

⚡ 966 EH/s Bitcoin-Hashrate am 20.05.2026 Rund 15 % unter dem Höchststand von 1.152 EH/s (19.10.2025). Das Niveau hält sich – trotz Drs. 21/5752, MiCA, Energiekosten.
📦 +8 % Drewry WCI Frachtraten World Container Index hält sein Krisen-Hoch. Hormuz-Eskorten, Routenverlängerungen – die physische Lieferkette knirscht.
📉 2,8 % EU-Kerninflation Stabil über dem EZB-Target von 2,0 %. Energie- und Frachtkosten-Durchwälzung lässt der Notenbank wenig Spielraum.

Quellen: Blockchain.com – Hashrate (7-Tage-Mittel; Höchststand 1.152 EH/s im Oktober 2025, mempool.space nennt im Drei-Tages-Mittel 1.306 EH/s – zwei Fenster, kein Widerspruch) | Hashrate Index — Blog | Drewry WCI | EZB HICP

Die strukturelle Aussage dieser Zahlen ist sauber: Die Energiebasis des Fiat-Systems erodiert, während die Energiebasis des Bitcoin-Protokolls expandiert. Der Drewry WCI steigt, weil die globalen Lieferketten unter geopolitischer Belastung stehen – Hormuz, Suez, Panamakanal. Die EU-Kerninflation verharrt bei 2,8 %, weil diese Lieferketten-Kosten durch jede Verarbeitungsstufe wandern. Die EZB wartet ab. Das bedeutet: reale Renditen bleiben negativ, Kaufkraft erodiert, Sparvermögen schrumpft.

Bitcoin antwortet auf diese Erosion nicht mit „Spekulation“ – es antwortet mit Energie. Jeder Hashrate-Anstieg ist ein einseitiges Bekenntnis von Marktteilnehmern, dass das Protokoll seine Sicherungsfunktion wert ist. Diese Funktion ist nicht ideologisch begründbar – sie ist mathematisch verifizierbar. Eine 51-Prozent-Attacke kostet aktuell schätzungsweise mehrere Milliarden USD pro Tag, und jeder Hashrate-Anstieg verteuert sie weiter. Das ist keine „Marktstimmung“. Das ist unzensierbare Physik.

Die forensische Bedeutung ist klar: Während die regulatorische und fiskalische Statik des EWR sich verengen lässt – durch Drucksachen, Verordnungen, automatisierte Reporting-Mechanismen –, kann die thermodynamische Statik des Protokolls nicht durch Dekret verändert werden. Die Fluchtgeschwindigkeit ist erreicht. Das Protokoll hat sich physikalisch vom Spielfeld entkoppelt, auf dem die EU-Institutionen ihre Vektoren ausspielen.

§ 04

Die Spaltung der Realität: Fiat-Spielfeld vs. unzensierbares Protokoll

Die drei Vektoren – MiCA-Showdown, Drs. 21/5752, die gehaltene Hashrate – beschreiben kein zufälliges Nebeneinander. Sie dokumentieren eine Spaltung der Realität in zwei inkommensurable Systeme. Auf der einen Seite das Fiat-Spielfeld: regulatorisch, fiskalisch, geldpolitisch steuerbar. Auf der anderen Seite das Bitcoin-Protokoll: thermodynamisch, mathematisch, geographisch verteilt. Beide reagieren auf dieselben makroökonomischen Inputs – sie reagieren entgegengesetzt.

Diese Spaltung ist nicht philosophisch. Sie ist operativ messbar. Während die EZB im Abwartemodus verharrt und die Kaufkraft schleichend erodiert, bauen Mining-Operationen weltweit neue Kapazitäten auf. Während sich die Handelsplätze auf die Jahresmeldung an das BZSt vorbereiten, expandiert die Hashrate. Während die Drs. 21/5752 eine höhere Steuer vorschlägt, stabilisiert sich die P2P-Liquidität auf einem permanent höheren Niveau. Die Eingriffe wirken – aber sie wirken nicht in die intendierte Richtung.

Das Fiat-Spielfeld

  • Stagflation: Kerninflation 2,8 % über dem EZB-Ziel, die EZB im Abwartemodus bei 2,15 % Hauptrefinanzierung und 2,00 % Einlagesatz.
  • Überwachung: DAC8 operativ, Jahresmeldung an das BZSt ab 2027, Adressprüfung nach der Geldtransferverordnung bei Auszahlungen in Selbstverwahrung.
  • Fiskale Asymmetrie: Nach dem Oppositionsentwurf Drs. 21/5752 Bitcoin-Gewinne unter dem persönlichen Einkommensteuersatz, Aktien unter der Abgeltungsteuer. Delta auf gleicher Grundlage: 17,2 PP.
  • Liquiditäts-Trichter: MiCA-Showdown zwingt Kapital in USDC, EURC und Digitaler-Euro-Architektur.
  • Geopolitische Erosion: Hormuz-Eskorten, Drewry WCI +8 %, militärische Sicherung von Tankerrouten.

Das Protokoll

  • Energiemauer: 966 EH/s im Mai 2026, 15 % unter dem Hoch von 2025. Real eingesetzte Energie sichert die Kette.
  • Mathematische Endlichkeit: 21 Mio. BTC Cap. Keine Verhandlung, keine Sondersitzung der Notenbank.
  • Souveräne Eingänge: P2P-Märkte (PeachBitcoin, RoboSats) mit stabilen 4,8 % Prämie und steigender EWR-Liquidität.
  • Unhostete Verwahrung: Hardware-Wallets (BitBox02, Ledger). Keine Gegenpartei, keine Erlaubnis nötig.
  • Physikalische Verankerung: SHA-256 ist nicht verhandelbar. Eine Drucksache kann die Mathematik nicht ändern.

Die strategische Implikation dieser Spaltung ist nicht „kaufe Bitcoin“. Sie ist tiefer: Akzeptiere, dass beide Systeme parallel existieren – und entscheide, in welchem du dein Vermögen lagern willst. Wer im Fiat-Spielfeld bleibt, akzeptiert die Steuermathematik (17,2 PP Delta), die Reporting-Architektur (DAC8, BZSt) und die Liquiditäts-Architektur (MiCA, Digitaler Euro). Wer ins Protokoll wechselt, akzeptiert die operative Disziplin (Hardware-Setup, Backup-Logik, Cold Storage) – und behält die Optionalität.

Zwischen beidem liegt, was die meisten tatsächlich tun: eine Aufteilung. Die historischen Muster aus China 2017, Indien 2018, Nigeria 2021 zeigen: Sobald die regulatorische Verengung kritische Schwellen erreicht, steigen die Aufschläge auf P2P-Märkten in den zweistelligen Bereich und die Lieferketten für Hardware überlasten. Wer im Juni 2026 zu 4,8 % Aufschlag einsteigt und seine Hardware-Wallet ohne Wartezeit bekommt, kauft Optionalität zu Konditionen, die in einem Stressszenario nicht mehr verfügbar sind.

§ ∞

Die Fluchtgeschwindigkeit ist erreicht

Astrophysiker definieren die Fluchtgeschwindigkeit als jene Geschwindigkeit, mit der ein Objekt das Gravitationsfeld eines anderen Körpers vollständig verlässt. Sobald sie erreicht ist, gibt es kein Zurück mehr – nicht aus mangelnder Erinnerung, sondern aus mangelnder physikalischer Anziehung. Die Drei-Vektoren-Analyse dieses Berichts dokumentiert exakt dieses Phänomen für das Bitcoin-Protokoll: Es hat sich aus der Gravitationszone der Fiat-Architektur entfernt.

Die EU kann den Stablecoin-Trichter schließen. Sie kann USDT eliminieren und USDC institutionalisieren. Sie kann den Digitalen Euro mit Holding-Caps versehen und Programmierbarkeit kodieren. Deutschland kann die Drs. 21/5752 verabschieden und Krypto-Gewinne unter den persönlichen Einkommensteuersatz stellen. Die Handelsplätze können dem BZSt melden, auch die Jahressumme der Auszahlungen in Selbstverwahrung. Aber niemand kann die Hashrate verbieten. Niemand kann die 21 Millionen verhandeln. Niemand kann SHA-256 dekretieren.

Die Spaltung der Realität hat einen historischen Präzedenzfall: Als der Buchdruck im 15. Jahrhundert entstand, versuchten Kirche und Staat über Zensoren, Indexlisten und Druckverbote die Verbreitung zu kontrollieren. Sie scheiterten nicht an mangelnder Härte, sondern an der physikalischen Eigenschaft der Technologie: Druck war reproduzierbar, distribuiert und nicht mehr an klerikale Genehmigung gebunden. Bitcoin verhält sich strukturell identisch. Die Technologie ist reproduzierbar (Open-Source), distribuiert (27.174 erreichbare Nodes, Bitnodes-Momentaufnahme vom 16.09.2026) und nicht mehr an staatliche Genehmigung gebunden.

Was bleibt, ist die operative Entscheidung: in welchem System lagert dein Vermögen? Die Antwort darauf ist nicht philosophisch – sie ist praktisch. Wer sie heute beantwortet, hat ein offenes Zeitfenster. Wer auf das nächste Eskalationsereignis wartet, beantwortet sie unter Stressbedingungen. Die historischen Muster zeigen, was dann passiert: P2P-Premiums explodieren auf zweistellige Werte, Hardware-Wallets sind monatelang nicht verfügbar, Onboarding-Funnel werden rationiert. Die Asymmetrie zwischen Vorbereiteten und Unvorbereiteten erreicht ihr Maximum.

Die Fluchtgeschwindigkeit ist eine physikalische Konstante. Sie kennt keine Eile und keine Ausreden. Sie ist erreicht – oder sie ist es nicht. Das Protokoll hat sie erreicht. Die Frage ist: hast du sie erreicht?

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Signal-Quellen

Die Quellen dieses Reports, in der Reihenfolge der Abschnitte.

Korrigiert am 01.10.2026: Drucksache 21/5752 ist ein Entwurf der Grünen-Fraktion, den der Finanzausschuss am 20.05.2026 zur Ablehnung empfohlen hat (Drs. 21/6112), keine Vorlage des Gesetzgebers, und das BZSt erhält über DAC8 keine Wallet-Adressen, sondern Jahressummen je Kryptowert mit Stückzahl und, außer bei Übertragungen an selbst verwahrte Adressen, der Zahl der Transaktionen je Kategorie (§ 11 KStTG), und die Hashrate lag am Stichtag rund 15 Prozent unter ihrem Höchststand, nicht auf einem neuen; Bisq gehörte nicht zu den P2P-Märkten mit Zustrom seit Mai, denn Bisq 1 hatte den Handel nach einem Angriff vom 01. bis 16.05.2026 gestoppt.

George V. – Lead Architect, BitAtlas

SIGNAL #05 | 01. JUNI 2026

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